Erhöhter Fettstoffwechsel in der Ketose

Unser Gehirn ist – relativ gesehen – das energiehungrigste Organ des Körpers und benötigt bzw. verbraucht knapp 20 % unseres täglichen Energiebedarfs.

In einem von Kohlenhydraten dominierten Stoffwechsel (glykolytisch) setzt sich der bevorzugte Treibstoff des Gehirns aus Glukose bzw. dessen Derivaten zusammen. In diesem Fall heisst das nichts anderes, als dass 20 % der verbrauchten Energie bei einem Kohlenhydratstoffwechsel in Form von Zucker zugeführt werden und entsprechender Hunger entsteht.

Da unser Gehirn in der Lage ist – nach einer gewissen Umstellungsphase – über ein Fettsubstrat zu funktionieren, können hier täglich sozusagen „nebenbei“ große Mengen des Körperfetts verbrannt werden. Die in der Leber synthetisierten Ketonkörper liefern unserem Gehirn die Energie, die es zum Überleben in einer Welt ohne Kohlenhydrate benötigt. Gerade deswegen zählen Kohlenhydrate nicht zu den essenziellen Nährstoffen – unser Körper kann sehr gut ohne Kohlenhydrate überleben. Ohne Fett geht es jedoch nicht, da Fett u.a. für die Hormonsynthese, die Nutzung fettlöslicher Vitamine und für die Zellviskosität von entscheidender Bedeutung ist.

Den Anpassungsprozess zur Nutzung von Ketonenkörpern nennt man in der Folge auch Keto-Adaption. Der Zeitraum, der für die Umstellung benötigt wird, variiert je nach Individuum und liegt zwischen mehreren Tagen bis mehreren Wochen. In einem angepassten, ketogenen Zustand deckt das menschliche Gehirn rund 80 % seiner Energie durch die aus Fett hergestellten Ketonenkörper. Ein kleiner Rest wird über die aus Fett hergestellte Glukose, das Glycerin bzw. Glycerol-Grundgerüst der Fettsäuren, gedeckt.

Ketonenkörper werden in dem Zustand der Ketose über den Urin und auch über die Haut in Form von Schweiß, sowie durch Abatmung ausgeschieden. Dies macht sich u.a. durch einen süßlichen Aceton-Geruch im Atem bemerkbar (Nicht zu verwechseln mit dem stechenden Ammoniakgeruch, der bei einer unzureichenden Adaption in einer Energiemangelsituation auftreten kann und ein klares Indiz für die Verstoffwechselung von Eiweiß darstellt. Dies ist oft bei exzessivem Ausdauersport der Fall).

Ein anschauliches Beispiel für die Fettverbrennung: Eine Person hat einen Erhaltungs-Energieumsatz von 3.000 kcal (weder Zu- noch Abnahme). Bei vorliegender Keto-Adaption würde eine solche Person 580 kcal in Form von Fett verbrennen (ideell). Dies stellt die zusätzliche Menge dar, die bei einer fehlenden Keto-Adaption nicht verbrannt worden wäre. Doch bestätigen sich derartige Ergebnisse in der Empirie? Und welche Rolle spielt der Sport in der Betrachtung?

In einer jüngeren Untersuchung von Volek et al. (2010), bei der die Veränderung der Körperkomposition bei verschiedenen Ernährungsformen, u.a. einer ketogenen Ernährung mit und ohne Widerstandstraining durchgeführt wurde, untersuchten die Forscher genau diesen Sachverhalt.

Die rein ketogene Ernährung ohne explizites Training hat ähnliche Ergebnisse bei der Körperfettanteil-Reduktion(KFA) erzielt, wie eine High Carbohydrate Ernährung PLUS Widerstandstraining (-3,4 % Vs. -3,5 %). Die Low Carb-Ernährung mit Training konnte mit -5,3 % die Spitzenposition für sich verbuchen.

Dies zeigt deutlich, wie wichtig Sport für das Abnehmen ist. Erst die Kombination aus Sport und ketogener Ernährung ist erfolgreich! 

In einer weiteren Studie untersuchten Brehm et al. (2003) diverse Gesundheitsparamater und die Veränderung der Körperkomposition bei 53 übergewichtigen, jedoch ansonsten gesunden Frauen (durchschnittlicher BMI: 33.6). Die Probandinnen wurden anschließend einer ad-libitum very low carbohydrate diet oder einer calorie-restricted diet (30 %) zugelost. Messungen wurden nach drei, respektive sechs Monaten durchgeführt.

Die Frauengruppe, die keinerlei Kalorienrestriktion (ad-libitum) unterlag, sich aber ansonsten very low carb ernährte, verringerte ihr Gewicht um 8.5 ± 1.0 kg. Die Kontrollgruppe (nicht very low carb; – 30 % kcal Defizit) veränderte ihr Gewicht dagegen nur um 3.9 ± 1.0 kg (Signifikanzlevel: P < 0.001). Noch augenfälliger gestaltet sich die Reduktion des Körperfettanteils, die hier bei 4.8 ± 0.67 vs. 2.0 ± 0.75 kg  liegt (Signifikanzlevel: P < 0.01).

Das Fazit der beteiligten Forscher:

„Based on these data, a very low carbohydrate diet is more effective than a low fat diet for short-term weight loss and, over 6 months, is not associated with deleterious effects on important cardiovascular risk factors in healthy women.”

Weitere Studien mit ähnlichen Ergebnissen, siehe Foster et al. (2003) & Samaha et al. (2003)  & Yancy et al. (2004) 

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